Dieses Teil der Reise haben wir eher spontan organisiert. Wir haben Pausen an den Orten gemacht, die uns von anderen Reisenden empfohlen wurden.

Bundaberg

Von Cairns fahren wir Richtung Süden. Wir fahren entlang der Küste und machen einen ersten Stopp in Bundaberg aus sehr unterschiedlichen Gründen: Schildkröten und Rum.

Wir sind tatsächlich im Zuckerrohr Produktionsgebiet. Es gibt eine Industrie des Zuckers in Australien. Wie funktioniert der Zucker? Das Prinzip ist, den Zuckerrohr zu quetschend um den Saft zu extrahieren. Der Saft wird auf hohe Temperatur gebracht; dadurch kristallisiert ein Teil: Zucker. Der restliche Saft wird Melasse genannt. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es Überproduktion in dem Gebiet, und keiner weiss, was man aus den riesigen Mengen Melasse machen könnte. Ein Zuckerhersteller stellt vor, diese Melasse in Rum umzuwandeln.

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Nach ein paar Versuchen, zwei katastrophalen Bränden, mehreren Überschwemmungen und der Dienstverpflichtung der ganzen Produktion um den Bedarf der Soldaten während beider Weltkriege zu decken, ist das Werk immer noch hier, und erstellt einen ausgezeichneten Rum, der richtig geschätzt wird. Sein Symbol: ein Eisbär...

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Wir besichtigen also die Brennerei ohne Kameras, Autoschlüssel, selbst Uhren. Die Alkoholkonzentration ist so hoch in manchen Gebäuden, dass alle Geräte verboten werden, die die Luft möglicherweise zünden könnten. Alles, was Batterien beinhaltet, wird weggenommen.

Wir laufen durch die Lagerstelle der Melasse: ein 5 Millionen Liter großes Schwimmbad, voll mit dichtem braunem Saft. Wir werfen einen Blick auf die Edelstahlfässer, in denen die Melasse mehrmals gebrannt wird: so bekommt man Alkohol aus Zucker. Dann betreten wir den heiligsten Raum: das Lager, wo Alkohol in riesigen Kieferfässern arbeitet. Die Qualität des Rums hängt hauptsächlich auf die in diesen Fässern verbrachte Zeit ab, durch die der Rum gefärbt wird. Bundaberg Brennerei ist besonders innovativ in diesem Bereich: sie experimentiert die Arbeit in alten Fässern, die schon im Herstellungsprozess von legendären Whiskeys, berühmten Cognacs oder besonders guten roten Weinen verwendet wurden...Diese Fässer kommen aus Frankreich, Schottland, Spanien...Die Ergebnisse sind überraschend. Der so vorbereitete Rum hat wechselnde Farben von granatrot bis gelb. Der Geschmack ist auch einzigartig: der in schottischen Fässern ausgereifte Rum wurde in mehreren internationalen Wettbewerben belohnt.

Wir enden unseren Besuch im Bar um die Produkte zu probieren: würziger Rum, Schokoladen-Rum-Likör, 10 Jahre alter Rum...Es ist 14:00 Uhr, wir haben nichts gegessen, das Wetter ist warm. Hier, auf den viktorianischen Banken der Terrasse des Hauses rutschen wir langsam in einen etwas anderen, gemütlichen Zustand...

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Am Abend fahren wir zu den Rangers des Mon Repos Strandes. Zwischen Dezember und April kommen Meeresschildkröten auf diesen anderthalb Kilometer langen Strand. Die Stelle ist einzigartig. Die von ihrem Instinkt geführten Schildkröten kommen jedes Jahr zurück, um hunderte Eier zu legen.

Sie kommen nachts aus dem Wasser, bewegen sich schwierig auf den Sand und lassen dabei gut erkennbare Spuren hinter. Nachdem sie den höheren Teil des Strands erreichen, wo der Sand die richtige Konsistenz hat, um eine robuste Kammer für die Brut zu sichern, fangen die Schildkröten an, ein Loch mit ihren Hinterbeinen zu graben.

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Es dauert gut eine halbe Stunde, die etwa hundert Eier zu legen. Dann werden sie eingegraben, und die Schildkröte kehrt langsam ins Wasser zurück und bewegt dabei ihre hundert Kilos schwierig. Sobald sie die ersten Wellen erreicht, wird sie wieder grazil und verschwindet in den Pazifik. Sie wird bestimmt in den nächsten Tagen oder Wochen wieder legen kommen. Dann wird sie mehrere Jahre lang verschwinden, bevor sie irgendwann auf den gleichen Strand wieder erscheinen wird. Die Schildkröte vom Bild wurde 6 Jahre lang nicht mehr gesehen. Durch ihre auf der Flosse angebrachte Identifizierungsnummer wurde es bewiesen.

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Sechs Wochen später  extrahieren sich die kleinen Schildkröten aus dem Nest. Wir sind sehr glücklich, dass wir dabei zugucken können. Sie sind vom reflektieren Mondlicht angezogen und starten gleich ein zügelloses Rennen Richtung Wasser. Rennen fürs Leben. Sie versuchen, den Ozean so schnell wie möglich zu erreichen. Sie sind ungeschützt am Strand, obwohl sie per Instinkt nur Nachts aus dem Sand kommen, um Krebsen und Vögeln zu entgehen.Der Ranger nimmt eine Baby Schildkröte, um sie uns näher zu zeigen. Sie bewegt weiterhin ihre Flossen. Sie paddelt wie eine Duracellhase.

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Das aus urgeschichtlichen Zeiten gekommene genetische Erbgut wird den kleinen Schildkröten ermöglichen, die Pazifikströmungen in drei Tagen zu erreichen, die sie dann zu den Nahrungszonen führen werden. Drei Tage, d.h. die im Eigelb enthaltene Energie, die sie gleich vorm Durchbruch gefressen haben.

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Nachdem sie das Meer erreicht habe, verschwinden die Schildkröten. Es ist unglaublich, wie das Schwimmen so einfach für sie ist, nachdem sie auf der Erde geboren wurden.

Leider ist die Reise im Pazifik voll Fallstricke. Tausende kleine Schildkröten kommen ins Meer, was ein wahnsinniges Festessen für viele Räuber ist. Und wir reden nicht vom Menschenmüll, der sie einsperrt, von Fischernetzen, die sie ertrinken, von Schiffsmotoren, die sie verletzen. Der Ranger erklärt uns, dass nur eine aus 1.000 Babys Erwachsen wird.

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Es ist nur wenig über Seeschildkröten bekannt, und das wenige, was sicher ist, wurde durch die Jahrzehnte lange Forschung und Informationssammlung der Rangers hier in Mon Repos bestimmt. Schildkröten legen hier. In drei Tagen erreichen sie die Hauptströmungen des Pazifiks. Dann verschwinden sie 30 Jahre lang. Keine Ahnung, was sie in dieser Zeit tun, von Wissenschaftlern "lost years" gennant. Sie kommen nach 30 Jahren zurück, um an der genauen Stellen zu legen, wo sie geboren wurden. Erst Anfang der 50er Jahren hat man sich für Schildkröten interessiert, nachdem ihre Anzahl schon angefangen hatte, abzunehmen - also fast zu spät. Wissenschaftler haben angefangen, Mon Repos Schildkröten zu beringen, um ihre Gelegegewohnheiten kennenzulernen. Sie haben Trackingsysteme auf den Panzer mehrerer von ihnen angebracht, um ihren Bewegungen zu folgen. Seitdem werden die Daten analysiert.

Parallel zur Forschung ist die absolute Priorität, Mon Repos Strand und die Ruhe der Wässer zu beschützen, damit die Schildkröten in aller Ruhe legen können. Nach Jahren Kampf, Sensibilisierung, Kapitalbeschaffung und Lobbying wurde die Fischerei während der Gelege- und Durchbruchzeit vom State Queensland verboten, sodass der Weg sicher für die Schildkröten ist. Aller Bauprojekte wurden auch auf dem Küstengebiet ausgeschlossen.

In den letzten Jahren hat sich das Sinken der Tiere stabilisiert. Alles ist aber noch zu tun. Wissenschaftler schätzen ab, dass eine weitere Senkung von nur 5% der Geburtenzahl zum endgültigen Verschwinden der Seeschildkröten führen würde.

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Byron Bay

Wir fahren nach Byron Bay, nachdem wir interessante Kommentare auf TripAdvisor gelesen haben. Ein Typ empfiehlt den Besuch wegen Julian's Rock, einer Tauchstelle wo man große Tiere sehen kann, d.h. Delfine, Rochen, Leopard-Haie, Schildkröten...

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Byron Bay liegt an der Kreuzung zweier Seeströmungen: die Eine ist warm und kommt vom Norden, die Andere ist kalt und kommt vom Süden. Beide ziehen viele unterschiedliche Tiere. Wir gehen direkt zum Tauchzentrum, um Plätze auf dem Boot zu buchen. Heute kämpft Roger, der Kapitän unseres Schiffes, mit 3 bis 4m hohe Wellen. Das Frühstückt fährt Achterbahn...

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Eine Gruppe  Delfine begleitet uns ein paar zehn Meter lang, bevor sie in eine andere Richtung schwimmen. Zauberhafte Vision! Als wir in Julian's Rock ankommen, ist uns etwas übel. Von diesem Schlauchboot müssen wir rückwärts ins Wasser herunterfallen. Sofort müssen wir mit der starken Strömung an der Oberfläche kämpfen, um nach Vorne bis zur Ankerkette zu schwimmen. Im Wasser ist es noch schlimmer: wir müssen so nah wie möglich am Boden bleiben, wo die Strömung ruhiger ist. Ansonsten ist die Unterwasserlandschaft faszinierend. Die "großen" Tiere sind da. Ein harmloser Leopard-Hai spaziert wenige Meter von uns herum.

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Kingfishes jagen auch in der Nähe. Als wir uns von der Strömung tragen lassen, sehen wir eine Seeschildkröte, die uns während des ganzen Tauchganges begleiten wird.

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Julian's Rock ist auch eine Waschstelle für...Rochen. Sie lassen sich Drohnen von ganz vielen kleinen Waschfischen entfernen. Ein richtiges Fish Spa. Wir treffen auch getarnte Haie, die Seealgen fressen. Die Sicht beträgt etwa 20 Meter. Die Stelle ist sehr beeindruckend.

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Das Problem ist nur, dass wir unsere Luft durch unseren Kampf gegen die Strömung schnell verbrauchen. Nicolas Sauerstofflasche ist fast leer. Er zeigt Aurélie, dass er ihre Rettungsluftregler bald verwenden wird. Wegen der Bedrohung der leeren Flasche schwimmen wird schnell wieder hoch. Die Seeschildkröte verabschiedet sich mit einer Atmung an der Oberfläche neben dem Boot.

Byron Bay ist auch eine Stelle für Surfer. Die Stadt ist voll mit Läden, wo der Surfer geile Klamotten, Wachs und super coole Surfbretter kaufen kann. Quiksilver, Rip Curl, Billabong, breite Auswahl, aber nicht für alle Budgets. Ein Billabong T-Shirt kostet mindestens 40€

Schulen bieten Surfkurse an. Die Suurfstudenten beobachten wir am Strand. Vom Strand ins Wasser mit dem Brett in der Hand rennen, aufs Brett knien und mit den Armen paddeln, Kurve, Rückkehr mit den Wellen bis zum Strand...und wieder, gut zehn Mal hintereinander um besser in Selbstbewusstsein und Stabilität zu werden. Nur beim Zugucken sind wir schon erschöpft. Dann gibt es die Profi-Surfer, die jeden Tag mit den Wellen spielen. An der Stelle, ganz am Ende des Strandes, treffen wir Frauen und Männer aller Generationen. Es ist so viel los, dass der Ort gefährlich wird. Die einzige Lösung ist, sich zwischen den Leuten hindurchzuschlängeln.

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Wie ein Wunder finden die erfahrenen Surfer einen Weg bis die aussterbende Welle sich auf sie wieder schliesst.

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Nicolas macht Bilder dieser Klischees des "coolen" Australiens. Im Abendlicht motiviert das Profil schöner Mädels und muskulöser Typen mit dem Surfbrett unterm Arm das Auslösen.

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Während unserer Reise entlang der Küste fahren wir auch über:

Brisbane

Das desinfizierte Aussehen der Stadt hat uns richtig enttäuscht.

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Die Glass House Mountains

Ein Ort mit vielen heiligen Bergen für die Einheimischen...

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...und ganz vielen Raststellen, wo wir viele mehr oder weniger wilde Tiere sehen konnten: neugierige Kookaburras, bettelnde Kammeidechsen, plätschernde Fröschen, Hausgengel-Opossum, laute aber lustige Galahs, bunte Papageien, angebende Schlangen.

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Sydney

Wir kommen endlich in Sydney zurück. André leiht uns wieder seine Wohnung. Wir sehen ihn leider nur ganz kurz, zwischen seiner Ankunft aus Canberra gegen 22:00 Uhr und einer schnellen Fahrt zum Flughafen um Katie abzuholen, die aus Melbourne ankommt.

Wir fliegen aus Sydney weg: ab nach Bangkok! Wir fliegen über die australische Wüste, wodurch wir mit dem Auto gefahren sind: den schönen roten Outback.

Hier findet ihr alle Bilder der Ostküste.

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